B(L)OGBUCHEINTRAG „Zur Ermutigung“ M. J. Langholf, 4. 12. 2020

Mein Herz brach zum 1. Mal als Kind, als ich heimlich im Rücken meiner Eltern die Bilder von vor Bomben fliehenden kleinen Kindern im Vietnamkrieg in der Tagesschau sah. Ich weinte und betete mich viele Stunden lang in den Schlaf. Ich betete um ein sinnvolles, hilfreiches und den Menschen dienendes Leben.

Diese religiöse, ja „mystische Musikalität“ des Einfühlungsvermögens und der Sensibilität für die Abgründe menschlichen Leids und das existenzielle Ringen und Suchen nach einem Sinn in einem sinnlos erscheinenden Leben, sollten mich nicht mehr loslassen. Als – wie man heute sagt – „hypersensibler“, sensitiver Mensch, konnte ich noch vor der Pubertät auf dem Gymnasium im Unterricht die wahren Gefühle und Gedanken in der Ausstrahlung von Mitschülern und Erwachsenen im „Spiegel inneren Mitgefühls“ beobachten, intuitiv „sehen“, „lesen“ und „verstehen“. So verlor ich früh das Interesse an oberflächlicher konventioneller, zwischenmenschlicher Kommunikation und einseitiger kognitiver gymnasialer Wissensvermittlung.

Was später auch als „depressive Zustände“ und „suizidale Tendenzen“ bezeichnet werden sollte war mein alltäglicher, hermetisch abgeschlossener und abgründiger raumloser Raum. Ein Jahr vor dem Abitur wurde ich von der Schule geworfen und stand nun auch existenziell vor dem Nichts. Man muss sehr viel geweint haben, falschen Stolz verloren haben und lange vergeblich gegen eigene und fremde Ignoranz gekämpft haben, wenn man wissen möchte, wie es wirklich ist, Menschen beim Loslassen zu begleiten und vom Leben zum Künstler im Lieben geformt zu werden. „There is a crack in everything. That is how the light gets in.“ Leonard Cohen, – frei übersetzt: „Nur durch ein berührbares, „gebrochenes Herz“ kann „LIcht“ uns in der Seele erreichen und befreien.“

Ich lernte das Loslassen der tieferen seelischen Ursachen meiner depressiven und suizidalen Phasen bei einem amerikanischen Arzt- und Lehrerehepaar, das seit den frühen Achtziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts regelmäßig nach Europa kam, um eine einfache, gleichwohl außergewöhnlich wirksame Selbsthilfemethode zum Loslassen nicht erlöster seelischer Konflikte und Erinnerungen auf der therapeutischen Grundlage von „bedingungslosem Mitgefühl und Liebe“ zu verbreiten.

Ihr „Credo“: „Loslassen heißt nicht etwas Loswerden zu wollen. Was bekämpft wird bleibt bestehen und verstärkt sich sogar noch.“ Nur durch die Wahl und Perspektive von „bedingungslosem Mitgefühl“ für uns selbst, unseren Werdegang und unseren Nächsten entsteht ein neuer zweckfreier innerer Raum, der Selbstakzeptanz, Verständnis, Integration, Vergebung und das Loslassen verletzter Gefühle, negativer Gedanken und anderer seelischer Schwächen und Schatten möglich macht. Loslassen findet statt, wenn wir die innere Flucht vor uns selbst, Selbstverleugnung, Kampf, Schuldzuweisung und Widerstände gegen unsere seelischen Zustände loslassen und wieder zu fühlen, zu empfinden und zu lieben wagen.

„Der Schlüssel zu höher entwickelten Ebenen menschlichen Bewusstseins ist eine Demut des Herzens, die aus bedingungslosem Mitgefühl und Liebe zum Lebendigen in all seinen Erscheinungsformen entspringt.“ Dr. E. E. „Isa“ Lindwall

In der Praxis bedarf es beim Loslassen der Bereitschaft physisch zur Ruhe zu kommen, den Mut die Augen zu schließen, die Aufmerksamkeit nach Innen in den Körper und in das „spirituelle Herz im Herzen“ zu wenden, um Abstand von der Außenwelt finden und wahrnehmen zu können, was wir in unserer Seele vielleicht schon sehr lange mit uns herum tragen und endlich akzeptieren, empfinden, integrieren und in Liebe vergeben, loslassen und verabschieden möchten. Ruth Yolanda Lindwall, die gemeinsam mit Dr. Edward Isa Lindwall die Relevanz des Loslassens für die menschliche Gesundheit 1978 neu entdeckt hatte, formuliert es so: „Alle menschliche Weisheit ist die Essenz vieler Tränen.“

Menschen beim Loslassen begleiten zu dürfen heißt vom Leben durch die Herzen dieser Menschen mit Vertrauen gesegnet zu sein, den „nächsten Mitmenschen“ mit den Augen von „bedingungslosem Mitgefühl und Liebe“ sehen zu dürfen. Was wir dabei entdecken dürfen, sind unendliche Widerspiegelungen eines einzigen, gleichwohl vielfältigen universalen SELBSTES, welches als „Liebe zu allem Lebendigen“ unter unseren Erinnerungen tief im Herzen der Seele verborgen ist. Menschen beim Loslassen nicht erlöster seelischer Erinnerungen begleiten und Zeuge von Herzöffnungen, Versöhnung, Bewusstseinswandel und gelingenden Lebensveränderungen sein zu dürfen, ist unbeschreiblich, stille Andacht pur und nicht selten: „zum Heulen“ schön.

Neue LeserInnen und alle anderen interessierten Menschen, die in diesen neuen Zeiten einen Drang in sich verspüren, selbst loszulassen, loslassen in der Praxis, Philosophie und Didaktik zu lernen und Releasing vielleicht auch später in ihr eigenes berufliches Angebot aufzunehmen, finden auf markus-langholf.eu oder nach Anfrage an malangholf@t-online.de mehr Informationen für neue Releasing- Fortbildungen mit Markus & Angela Langholf 2021:
markus-langholf.eu/angebote

Ich danke allen Menschen, die meiner wunderbaren Frau und Partnerin Angela und mir, gerade auch in diesem 1. Jahr einer neuen Zeitrechnung, 2020, ihr Vertrauen auch auf neuen Wegen online im Netz auf zoom.us oder „von Herz zu Herz“ am Telefon geschenkt haben. Ja, wenn Offenheit und Liebe, gepaart mit Klugheit und Datenschutz walten, dann funktioniert Releasing in großer seelischer Tiefe ganz wunderbar auch so! Ich habe nach diesem Jahr jetzt keine Worte mehr und wünsche auch Euch viele stärkende stille und heilige Nächte. „Gesegnete Weihnachten und prickelnde Ideen aus der Stille für das neue Jahr!“

Markus J. Langholf, Linz am Rhein, 4. Advent 2020

Gebet der Zentrierung

Möge Deine Gnade mich still sein lassen

Möge Deine Gnade mich still sein lassen, Allerhöchster Geist!

Möge diese Stille in mir Dein Licht reflektieren und
Deine vielen Namen ehren und loben, geliebter
form- und namenloser Allerhöchster Geist!

Und möge Deine Liebe aus mir leuchten
als eine gütige Einladung Deiner Barmherzigkeit
für die die leidenden Menschen in der Außenwelt:

loszulassen, ihr Herz zu öffnen und…

frei zu sein!

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