Von der Arbeit „emotional neutral daran zu werden unbeliebt zu sein“ oder warum die „Liebe zu allem Lebendigen“ und „konsequentes verantwortliches Verhalten“ dasselbe sind.

Hier, am Atlantik auf dem Cap Sizun, im warmen südbretonischen Herbstlicht der stillen Melancholie des Finistère, wohin wir uns einige Tage zurück gezogen haben, erreichen uns aus Deutschland Nachrichten über einen neuen Film, der offensichtlich kaum einen Betrachter emotional kalt läßt und einen großen Disput ausgelöst hat.

Die Rede ist von dem Film „Elternschule“. www.elternschulefilm.de

Der Film dokumentiert, selbstverständlich subjektiv und nur auszugsweise, die Arbeit des Psychologen Dietmar Langer und eines Teams aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften mit verhaltensauffälligen und oft chronisch kranken und gestreßten Kindern und deren erschöpften Eltern in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen.

Um diesen Film geht es hier ausdrücklich nicht, denn weder hatten wir bislang selbst Gelegenheit diesen Film zu sehen, noch verstehen wir uns als Filmkritiker, geschweige denn als Kritiker von Kritikern. Wir freuen uns diesen Film nach unserer Rückkehr nach Deutschland persönlich in Augenschein zu nehmen und erst dann auch fundiert aus unserer eigenen Berufserfahrung als langjährige Lehrer und Ausbildungsleiter in der Releasing-Arbeit nach Dr. E. und R. Lindwall einschätzen zu können.

Die Schlacht um die Deutungs- und Interpretationshoheit der Qualität des Films und der therapeutischen Arbeit der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen ist in ihrer emotionalen Heftigkeit aber tatsächlich beeindruckend und selbst auch schon ein Ereignis, dass jeder im Internet verfolgen kann. Der Film bringt offensichtlich nicht nur eine große gesellschaftliche Verunsicherung darüber an das Licht, ob und wie man egozentrischen und narzisstischen Verhaltensweisen von Kleinkindern eine Grenze setzt, sondern auch wie wir es als Erwachsene untereinander selbst damit halten, uns von egozentrischen Strategien und Erwartungen der Egos anderer Menschen abzugrenzen und ihnen mit Wort UND Tat auch Grenzen setzen zu können.

Die Reaktionen auf den Film und die Arbeit an der Klinik in Gelsenkirchen reichen von vielen dankbaren Zeugnissen der Eltern der betroffenen Kinder bis hin zu Androhungen, die Klinik wegen angeblichen Kindesmissbrauchs zu verklagen und könnten extremer nicht sein.

Warum hier an dieser Stelle von diesem Film und den Reaktionen darauf die Rede ist, obwohl und gerade weil wir selbst ihn noch nicht gesehen haben, ist eine babylonische Geistes- und Sprachverwirrung in den medialen Reaktionen auf den Film, die wir auch aus dem Alltag vieler Menschen in unseren Fortbildungen kennen. Einerseits erfahren sie durch Loslassen mit Hilfe von Releasing starke persönliche Wachstumsschübe und Bewusstseinsklärung und gleichzeitig scheuen sie dann davor zurück, dass ihre positiven Veränderungen von ihrer Umgebung möglicherweise als bedrohlich wahrgenommen werden und entsprechende Konflikte auslösen können.

Diese gesellschaftlich weit verbreitete Verunsicherung und babylonische Sprachverwirrung entspringen der unreflektierten Annahme und dem populären Vorurteil die Begriffe „Liebe“ und „Konsequenz“ seien ihrer Bedeutung nach unversöhnliche Gegensätze. Im Kontext dieses Vorurteils werden dem Begriff „Liebe“ Bedeutungen wie Nähe, Zuwendung, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Schutz, Empathie und Wertschätzung zugeschrieben. Der Begriff „Konsequenz“ wird hingegen mit Bedeutungen wie Distanz, Ablehnung, Gefühl- und Lieblosigkeit und Kaltherzigkeit assoziiert.

Auf diese Weise wird im Subtext zwischenmenschlicher Kommunikation suggeriert, dass im Kontext von Familie, Partnerschaft und Gesellschaft einzig und allein zugewandte und mit „Nähe“ assoziierte Verhaltensweisen von „Liebe“ motiviert sein könnten und moralisch als „gut“ zu beurteilen seien, während hingegen „distanzierende“ und subjektiv als „ablehnend“ empfundene Verhaltensweisen ethisch als „schlecht“ und „lieblos“ zu beurteilen seien.

Hallo? Geht´s noch?

Ich kann mich zumindest noch gut an Situationen in der Kindheit erinnern, als ich mich von den erwachsenen Autoritäten in Elternhaus, Schule und Kirche moralisch erpreßt gefühlt hatte ein,„gehorsames“, „fleißiges“ und damit „liebes“ Kind zu sein, indem ich die Erwartungen der Erwachsenen erfüllen sollte. An Erwartungen geknüpfte „bedingte Liebe“, komme sie auch mit noch so viel „Nähe“ daher, ist aber keine Liebe, sondern Manipulation und Kontrolle.

Und anstatt – wie es offensichtlich heute viele „Helikopter-Eltern“ praktizieren – das eigene Kind ständig zu kontrollieren und ihm schwierige und herausfordernde Situationen abzunehmen, kann es tatsächlich auch ein Ausdruck von Vertrauen und Liebe dem eigenen Kind gegenüber sein, ihm selbst zuzutrauen eigene Erfahrungen zu sammeln, aus sich selbst heraus zu wachsen und lernen zu können. Zurückhaltung der Bezugspersonen und ihre scheinbare „Distanzierung“ kann eben auch von Weisheit und Liebe getragen sein.

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ J.W.Goethe

Wie wir aus unseren Fortbildungen zum Releasing – Coach und Seelsorger wissen, besitzen wir aber als menschliche Wesen alle im unterbewußten Bereich des „Seelenschattens“ (C.G.Jung) die Tendenz uns selbst von den Erwartungen anderer Menschen manipulieren und erpressen zu lassen, um geliebt zu werden und beliebt zu sein. Und genauso tendieren auch wir selbst, gerade in Liebesbeziehungen dazu, unsere Nächsten gemäß unserer eigenen unterbewußten seelischen Schwächen und Bedürfnisse mit unseren entsprechenden Erwartungen zu manipulieren, bzw. mit Vorwürfen, Anklagen, Verurteilungen und Liebesentzug zu reagieren, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden.

Aus der Releasing – Werkstatt unserer Fortbildungen wissen wir auch, dass besonders „spirituell angehauchte“ Menschen mit einer aufrichtigen Sehnsucht nach einer „absolut vollkommenen transzendenten göttlichen Instanz“ dieses Ideal dahingehend mißverstehen, dass sie Angst haben sie selbst seien „lieblos“ und „egoistisch“ und nicht länger „liebenswert“, wenn sie den emotionalen Projektionen „übergriffiger“ Erwartungen ihrer Mitmenschen nicht entsprechen und ihnen stattdessen eine Grenze setzen.
Ohne uns dessen in der Regel überhaupt bewußt zu sein, lassen wir uns immer wieder von der „Angst unbeliebt zu sein“ kontrollieren. Solange uns aber die Ängste vor Zurückweisung, Ablehnung, Verleumdung, Einsamkeit und Bestrafung lähmen und wir deshalb NOTWENDIGEN KONFLIKTEN aus dem Weg gehen, können wir nicht frei sein!

„Notwendige Konflikte“ sind nicht zu verwechseln mit unnötigen emotionalen Streitereien und aggressiven oder gewalttätigen psychischen oder physischen Verhaltensweisen. „Notwendige Konflikte“ sind im Kern immer Abwägungen und Entscheidungen darüber, ob überhaupt und falls ja, welchen Werten wir in unserem Leben folgen wollen. Konflikte im Einsatz für menschliche Werte und den höchsten Wert des Lebens überhaupt müssen geführt werden und müssen grundsätzlich gewaltfrei geführt werden, wenn sich am Ende nicht Gleichgültigkeit, Zynismus und die Selbstzerstörung in unserem persönlichen und kollektiven Schicksal durchsetzen sollen!

Die Ängste vor „notwendigen Konflikten“ können losgelassen werden!

Unser „Urbedürfnis nach Zugehörigkeit“ kann nämlich nur dann in harmonischer Koexistenz mit unserem „Urbedürfnis nach Freiheit“ existieren, wenn wir „die Liebe in uns“ von temporären äußeren Umständen, wie z.B. kulturellen, gesellschaftlichen und familiären Konditionierungen und Manipulationen befreien und wenn wir stattdessen die „Liebe zum SELBST und das Selbst der LIEBE“ als inneren Kompass auf dem Pfad der Befreiung wählen.

Die Praxis dieser Befreiung ist die Praxis des Loslassens. Die Praxis des Loslassens bedeutet die Entwicklung von Mut, Selbstverantwortung, Unterscheidungsvermögen, Intuition und Bewusstsein und ist eine alltägliche Übung in der „Kunst der Liebe“. (Erich Fromm)

Die „Kunst der Liebe“ weiß: „Nähe“ muß nicht durch Liebe, sondern kann auch durch Manipulation motiviert sein. Und „Distanzierung“ muß nicht „lieblos“, sondern kann von Liebe motiviert sein. Und „Konsequenz“ und „Liebe“ sind keine unversöhnlichen Gegensätze. Im Gegenteil: Sie bedingen einander. Eine Liebe, die nicht auch die Sprache der Taten folgen läßt, ist eine „billige Schönwetterliebe“ und „konsequentes Verhalten“ dass nicht durch Liebe zur Freiheit und zum Lebendigen motiviert ist, ist mechanistisch und im Kern faschistoid. Davon haben wir wirklich genug.

Unsere Zeit krankt an der „psychischen Pest der Angst sich unbeliebt zu machen“ wenn wir für unserer eigenes „Wahres Selbst der Liebe“ und für zeitlose universale menschliche Werte einstehen. Unsere Zeit krankt an der Vermeidung notwendiger Konflikte um Wertentscheidungen über die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder. Alle wollen gemocht, geliebt und wiedergewählt werden. Alle wollen „gelikt“ werden. Mehr noch als an materieller Sattheit, werden wir an unserer psychischen Bequemlichkeit ersticken und die „für die Jahreszeit außergewöhnlich schöne, warme Luft“ in den konfliktfreien Komfortzonen unseres Egos eines Tages nicht mehr atmen können, wenn wir nicht JETZT bereit sind unsere Ängste vor Konflikten, vor Freiheit und vor dem Erwachen loszulassen.

Es lohnt sich gerade auch gegenüber „spirituell“ interessierten Menschen an den großen amerikanischen Gelehrten Ken Wilber zu erinnern, der in seinem Werk eindrücklich formuliert hat, dass ein individualistischer spiritueller Lebensentwurf in unserer Zeit immer auch im kollektiven Kontext der aktuellen Gesellschaft rational reflektiert, hör- und sichtbar und präsent sein sollte. (Stichwort: Wilber, Modell der 4 Quadranten)

Unsere Releasing – Fortbildungen sind genau dafür da: Menschen durch Loslassen persönlich UND gesellschaftlich die Macht über sich selbst zurückzugeben, ihnen zu helfen die Stimme ihrer Seele wieder hören und ihre Berufung und Bestimmung mitten in diesen turbulenten Zeiten erfüllen zu können!

Unsere Releasing – Fortbildungen ab Frühjahr und Sommer 2019 für Paare, „Bleiben statt scheiden“ und für Individualisten, für Führungskräfte und für Menschen aus helfenden, heilenden und lehrenden Berufen laden dich dazu ein, deiner Sehnsucht nach Befreiung von der Unterdrückung durch die eigene Negativität nachzugehen und dem Drang deiner Seele zu deine Bestimmung zu leben und „aufzuwachen“ zu vertrauen.

Wir haben 25 Jahre im professionellen Kontext Erfahrung mit erfolgreichen Prozessen der Bewusstseinsentwicklung und der Realisierung von Berufung und Bestimmung mit Hilfe von „Releasing & Beyond“ nach Dr. E. und R. Lindwall und Dipl. Kulturpädagoge M & A Langholf.

Bei uns ist die Substanz unserer fachlichen Kompetenz das „theoretische, didaktische und praktische Know How“ des umgangssprachlich so genannten „spirituellen“ geistigen Entwicklungsweges des menschlichen Bewusstseins. Diese „doppelte“, sowohl akademisch und pädagogisch geschulte, als auch 21 jährige „spirituelle“ Ausbildung bei Dr. Lindwall und anderen großen Lehrern schenkt unserer Arbeit ihre Kraft und uns und unseren Kursen Lebendigkeit, und sehr viel Spaß.

Wir wünschen allen Lesern des (B)Logbuches von „Kapitän Blaubär“ jeden neuen Tag immer genug Kraft für ein Leben mit Liebe UND Konsequenz. In diesem Sinn, immer „heiter weiter“, Ihr und Euer…

„Captain Jerome“, alias Markus Langholf,

Cap Sizun, 1. November 2018

P:S:: „Angebote“ zu den neuen Fortbildungen 2019 auf dieser Website, Fragen, Anmeldungen und Bitte um ein persönliches Gespräch bitte an: malangholf@t-online.de

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